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Abtei Brauweiler
Geschichte
1024 gründeten das Pfalzgrafenpaar Ehrenfried (genannt Ezzo) von Lothringen und die
Kaisertochter Mathilde in Brauweiler ein Kloster. Die Gründungsgeschichte der Abtei ist wie
bei vielen Klöstern sagenumwoben.
Der Legende nach soll Mathilde im Traum unter dem Maulbeerbaum durch göttliche
Eingebung den Auftrag erhalten haben, in Brauweiler ein Kloster zu gründen. Daraufhin
begaben sich Ezzo und Mathilde auf eine Pilgerfahrt nach Rom und holten sich hierzu
Erlaubnis und Segen des Papstes.
Am 14. April 1024 kamen sieben Mönche in Brauweiler an und begannen mit dem Aufbau
der ersten klösterlichen Anlage in Brauweiler. Dabei wurde die bereits bestehende
Medarduskapelle in den Gebäudekomplex integriert. Noch während der Bauzeit verstarb
Mathilde und wurde zunächst im Mittelpunkt des Kreuzgangs beigesetzt.
Ezzo stattete das Brauweiler Kloster mit einigen Gütern aus, die das Kloster wirtschaftlich
absichern sollten. Zudem unterstellte er die Güter und das Kloster dem Schutz der Kölner
Kirche, da bereits zu seinen Lebzeiten abzusehen war, dass sein Zweig der Familie aussterben
würde.
Nur kurze Zeit später trat mit Mathildes Tochter Richeza, die mittlerweile Königin von Polen
geworden war, jedoch nach dem Tod ihres Mannes Mieszko II. aus Polen fliehen musste, eine
weitere Gönnerin der Abtei Brauweiler auf.
Richeza vermachte Brauweiler weitere Güter, u.a. das Moselweingut Klotten bei Cochem.
Zudem ließ Richeza nach dem Tod ihres Bruders Otto in Brauweiler eine neue Kirche
errichten. Teile dieses zweiten Kirchenbaus stehen noch heute. Richeza hatte es sich damit zur
Aufgabe gemacht, in Brauweiler eine Grablege für ihre Familie zu schaffen, und legte fest,
dass auch ihr eigener Leichnam hier begraben sein sollte. Doch nach ihrem Tod ließ der
damalige Kölner Erzbischof den Leichnam in der neuen Kölner Kirche St. Maria ad Gradus
beisetzen. Heute ist an dem Platz, der für Richeza in der Brauweiler Krypta reserviert ist, eine
Reliquie von ihr angebracht.
Wie alle Klöster so war auch die Abtei Brauweiler über die Jahrhunderte einem stetigen Auf
und Ab unterworfen – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geistig, personell oder baulich.
Im 12 Jahrhundert beispielsweise wurden große Teile des Klosters durch ein Erdbeben
zerstört und mussten unter großen wirtschaftlichen Anstrengungen wiederaufgebaut und
andere Teile ganz erneuert werden. In diesem Zuge ließ Abt Aemilius den dritten und letzten
Kirchenbau errichten. Ende des 15. Jahrhunderts konnte ein anderer Abt Getreide in Zeiten
einer Hungersnot zu Höchstpreisen verkaufen und so einen Teil der Klosterschulden tilgen.
Doch auch Katastrophen, Kriege und Epidemien konnten nicht verhindern, dass zur Amtszeit
Abt Anselm Aldenhovens ein prächtiger Barockbau an das bestehende Kloster angebaut
werden konnte. 1780 wurde hierfür durch den Architekten Nikolaus Lauxen der Grundstein
gelegt. Bereits 1785 war der Bau fertiggestellt.
Nur wenige Jahre später ‚überrollte‘ das napoleonische Frankreich das Rheinland und besetzte
die Abtei Brauweiler. Zwischen dem 3. und 16. August 1802 wurde das Kloster aufgelöst und
die Abtei Brauweiler ging in den Besitz des französischen Staates über.
Auf knapp 800 Jahre klösterlichen Lebens in der Abtei folgten viele Jahre des Zwangs und
der Freiheitsberaubung. 1809 ließ Napoleon in Brauweiler ein sog. „Bettlerdepot“ errichten.
In diesem „Dépôt de Mendicité“ wurden vor allem obdachlose Personen untergebracht. Doch
bereits 1815 änderten sich die Besitzverhältnisse erneut. Durch den Wiener Kongress und die
Neuaufteilung Europas nach dem Sturz Napoleons gelangte das Rheinland in preußischen
Besitz und somit auch die Abtei Brauweiler. Ausgehend von der napoleonischen
Bettleranstalt wandelte der preußische Staat die Abtei Brauweiler in eine Arbeitsanstalt um.
Diese bestand mit kurzer Unterbrechung nach dem Zweiten Weltkrieg noch bis 1969. In ihr
wurde versucht, Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprachen, zu
„korrigieren“. Durch Zwangsarbeit sollten die sog. „Korrigenden“ wieder in die Gesellschaft
eingegliedert werden. Im ehemaligen Klostergarten und dem angrenzenden Land entstanden
etliche Betriebe der Arbeitsanstalt. In diesen Wirtschaftsbetrieben, u.a. Schuhmacherei,
Büchsenfabrik, Ziegelei oder Landwirtschaft, mussten die Insass*innen zum Teil schwere
körperliche Arbeit leisten.
Während des nationalsozialistischen Regimes wurden einzelne Gebäude auf dem Gelände
zudem als frühes Konzentrationslager für politisch Oppositionelle, Durchgangslager für
inhaftierte Jüd*innen und als Gestapo-Gefängnis genutzt. Besonders das Gestapo-Gefängnis
kostete mehrere Menschen in Brauweiler das Leben. Gefangen waren in der Brauweiler
Gestapohaft vor allem Personen aus Widerstandskreisen und Zwangsarbeiter*innen aus
Osteuropa. Das wohl berühmteste Häftlingspaar der Gestapo waren Auguste und Konrad
Adenauer, der später erster Bundeskanzler der Bundesrepublik werden sollte. (Informieren
können Sie sich hierüber in der Gedenkstätte Brauweiler: www.gedenkstaettebrauweiler.lvr.de)
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Abtei von den Briten besetzt und ein sog.
Displaced Persons Camp eingerichtet. Dieses war Teil der UNRRA. Untergebracht wurden
hier Zwangsarbeiter*innen und deportierte Personen v.a. aus Osteuropa, aber auch aus
anderen ehemals von Deutschland besetzten Gebieten. Ziel der UNRRA-Mission war die sog.
Repatriierung, die Rückführung der Menschen in ihre Heimat. Durch den Vormarsch der
Sowjetunion in Osteuropa gestaltete sich dies jedoch schwierig, da einige nicht in ihre Heimat
zurückkehren wollten oder sogar konnten. Dies führte dazu, dass Rekrutierungsmissionen
verschiedener Länder die gestrandeten Personen zur Emigration bewegten.
Als das DP-Camp Ende der 1940er Jahre geschlossen wurde, eröffnete die Arbeitsanstalt
erneut ihre Tore. Noch bis zur Strafrechtsreform 1969 wurde wieder Zwangsarbeit von den
hier untergebrachten Prostituierten, Zuhältern, Alkoholabhängigen etc. verlangt. Alles im
Sinne einer Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Doch der Kreis der Personen kam nicht
mehr nur aus dem Großraum Köln, sondern auch Bundesländer ohne eigene Arbeitsanstalt
lieferten ihre „Gefangenen“ hier ein. So kam es beispielsweise, dass die Frankfurter
Prostituierte Rosemarie Nitribitt vom Land Hessen mehrfach in Brauweiler untergebracht
wurde, um sie zu einem Lebenswandel zu bewegen.
Nach dem Ende der Arbeitsanstalt 1969 richtete der Landschaftsverband Rheinland (LVR),
der 1953 gegründet worden war und als Nachfolgeinstitution des Provinzialverbandes u.a. die
Trägerschaft der Arbeitsanstalt übernommen hatte, in den Gebäuden ein psychiatrisches
Landeskrankenhaus ein. Doch auch die Funktion als Krankenhaus war nur von kurzer Dauer.
Da mehrfach Missstände auftraten, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sich durch die
Psychiatriereform in den 1970er Jahren änderten und es 1978 schließlich zu einer Reihe von
Skandalen kam, musste das Landeskrankenhaus 1978 wieder schließen. Ausschlaggebend für
die Schließung der Klinik war die Überdosierung einer 20-jährigen Frau und die
anschließende Anprangerung der Missstände durch die Sozialistischen Selbsthilfe Köln
(SSK). Diese führte zu Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt
und schlussendlich zur Verurteilung der verantwortlichen Ärzte und Pfleger.
Der Landschaftsverband Rheinland begann noch 1978 mit der grundsätzlichen Umnutzung
der Gesamtanlage. Der Weg war klar: keine Unterbringung von Personen mehr, keine
Zwangsarbeit. Die Idee entstand, ein kulturelles Zentrum zu errichten, und so begann der
LVR mit umfänglichen Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen und stellte die Abtei
Brauweiler bis 1986 in ihrem äußeren Erscheinungsbild auf Grundlage der barocken
Klosterzeit wieder her. In den 1990er Jahren wurde die Abtei Brauweiler für diese
Maßnahmen mehrfach als vorbildliches Bauwerk ausgezeichnet. Zudem brachte der LVR
einige seiner Kulturdienststellen auf dem Gelände der Abtei Brauweiler unter:
LVR-Kulturzentrum Abtei Brauweiler
Seit 2009 trägt die ehemalige Abtei Brauweiler den Namenszusatz LVR-Kulturzentrum und
ist heute als Veranstaltungs- und Ausflugsort weit über die Grenzen des Rheinlandes hinaus
bekannt. Konzerte vor allem der klassischen Musik darunter die jährlichen Open-AirKonzerte “classic nights” im Sommer -, Lesungen, Ausstellungen und wissenschaftliche
Vorträge, aber auch regelmäßige öffentliche Führungen durch die Abtei, die romanische
Kirche und die Gedenkstätte Brauweiler haben den historischen Gebäudekomplex für das
Publikum geöffnet. Zusätzlich tragen Themenführungen sowie ein Audiorundgang zur
kulturtouristischen Erschließung der Abtei bei. Wichtige Partner sind dabei der Freundeskreis
Abtei Brauweiler e.V. und der Verein für Geschichte e.V. Pulheim.
Besondere Bedeutung kommt auch der Vermietung von Räumen für Tagungen und Feiern zu.
Auch hierdurch werden zahlreiche Gäste erstmals auf das Kulturangebot aufmerksam.
Insgesamt waren im Jahr 2019 rund 100.000 Besuche zu verzeichnen.
Das LVR-Kulturzentrum Abtei Brauweiler gehört organisatorisch zum LVRArchivberatungs- und Fortbildungszentrum.
LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum
Das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (LVR-AFZ) hat seinen Dienstsitz in der
ehem. Abtei Brauweiler. Es bietet Serviceleistungen für die nichtstaatlichen Archive im
Rheinland an. Zu seinen Partnern und Kunden zählen die Archive von Kommunen, Adel,
Wirtschaft, Kirchen, Vereinen, Verbänden und Stiftungen. Etwa 580 Archive nehmen den
Service des LVR-AFZ für die nichtstaatlichen Archive im Rheinland in Anspruch. Das Team
der Archivberatung steht ihnen in allen archivfachlichen Fragen mit seinem Know-how als
Ansprechpartner zur Verfügung. Das Fortbildungszentrum bietet darüber hinaus
Veranstaltungen zu aktuellen archivischen Themen an. Außerdem bietet das Technische
Zentrum des LVR-AFZ Dienstleistungen in den Bereichen Digitalisierung und
Bestandserhaltung für die Archive im Rheinland an.
LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland
Mit über 52 000 eingetragenen Denkmälern stellt das Rheinland eine kulturhistorisch reiche
Landschaft dar. Diesen Bestand zu beschreiben, zu erforschen und neben einer
kontinuierlichen Betreuung auch seinen Wert in der Öffentlichkeit durch Publikationen,
Vorträge und Seminare zu vermitteln, sind die wesentlichen Aufgaben, die das
Denkmalschutzgesetz (DSchG NW) von 1980 in Nordrhein-Westfalen den beiden
Landschaftsverbänden mit ihren Fachämtern zugewiesen hat.
Im Rheinland ist dies das LVR-Amt für Denkmalpflege mit Sitz in der ehemaligen Abtei
Brauweiler.
In den Abteilungen Inventarisation, Bau- und Kunstdenkmalpflege, Dokumentation und
Restaurierung beraten Fachleute in architektur- und kunstgeschichtlichen, technischen und
konservatorischen Fragen.
Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland
Rund 200 Jahre regionaler Selbstverwaltung im Rheinland finden sich im Archiv des
Landschaftsverbandes Rheinland (ALVR) wieder. Als Zentralarchiv des
Landschaftsverbandes Rheinland dokumentiert es nicht nur die Geschichte des LVR selbst,
sondern auch die seiner Vorgänger, der Ständischen Landtage und des Provinzialverbandes
der Rheinprovinz.
Die Überlieferung erstreckt sich über Wege- und Straßenbau, Förderung der Landwirtschaft,
Fürsorge für Arme, Jugendwohlfahrt, Behindertenwesen einschließlich Behindertenschulen,
Versicherungs- und Versorgungseinrichtungen, Meliorationen und Landesplanung,
Gesundheitswesen und Kultur in der ehemaligen preußischen Rheinprovinz bzw. im
Landesteil Nordrhein von Nordrhein-Westfalen.
So vielfältig wie die Inhalte sind auch die Erscheinungsformen des Archivgutes. Neben Akten
und Urkunden finden sich z. B. Karten, Pläne, Plakate, Fotografien und Filme. Eine
umfangreiche Präsenzbibliothek und das übernommene Bibliotheksgut aufgelöster
Fachdienststellen runden das Informationsangebot ab.
Die Benutzung dieser Bestände steht grundsätzlich sowohl der Wissenschaft als auch den
interessierten Bürger*innen frei.
Schreinerei
Die Schreinerei gehört zur gemeinsamen Verwaltung der beiden großen Dienststellen in
Brauweiler und kümmert sich – wie auch die anderen Handwerksbetriebe auf dem Gelände –
um die Erhaltung der Liegenschaft Brauweiler.

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